KAB-Appell: Geschäfte müssen am Heiligen Abend zu bleiben

Gemeinsame Erklärung mit dem DGB - "Leben ist mehr als Arbeit" - Diözesanrat aktiv

Der Heilige Abend fällt in diesem Jahr auf einen arbeitsfreien Sonntag, doch das Ladenschlussgesetzt lässt an diesem Tag Sonderöffnungszeiten zu. Für die Gewerkschaften und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung ist der Sonntag heilig. Die Arbeitnehmervertretungen halten es für dringend geboten, dass am Heiligen Abend die "geschäftlichen Türen" geschlossen bleiben.

Für die Familien sei dieser Tag von besonderer Bedeutung. Vor dem Heiligen Abend sei alles in Vorbereitung und Erwartung auf die freudigen Ereignisse, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von KAB und DGB. Die Familien möchten den Sonntag, verbunden mit dem Heiligen Abend, gemeinsam feiern. Insbesonders dieser Sonntag macht deutlich: "Leben ist mehr als Arbeit".

Gewerkschaft und KAB fordern auch die Verbraucher auf, am Sonntag, 24. Dezember, keine Einkäufe zu tätigen. Die Öffnungszeiten an sechs Tagen in der Woche zuvor würden genügend Zeit bieten, um sich auf das Weinhachtsfest vorzubereiten, meinen KAB und DGB.

Die Gewerkschaft und Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung engagieren sich für die Bewahrung gemeinsamer freier Zeit und einen zuverlässigen Schutz der Sonntagsruhe und freuen sich über jedes Geschäft, jeden Laden und jede Verkaufsstelle, die das Anliegen unterstützen.

(Passauer Bistumsblatt, Nr. 52)

Auch der Diözesanrat der Katholiken im Bistum appelliert an die Verantwortlichen, die "geschäftlichen Türen" am Heiligen Abend geschlossen zu halten. Der Sonntag sei nicht nur für uns Christen eine heilsame Unterbrechung. "Die gemeinsame freie Zeit brauchen wir als wohltuende Atempause. Der Sonntag ist ein wichtiges Element unserer Kultur'", heißt es in einer Pressemitteilung. Wir sprachen darüber mit Angelika Görmiller, Diözesanvorsitzende der KAB und stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Passau

 

"Wir dürfen nicht schweigen"

Sonntagsschutz: Drei Fragen an Angelika Görmiller

Warum gerät die Sonntagsruhe wieder unter Druck?

Görmiller: NRW hat in diesem Jahr ein "Entfesselungsgesetz" beschlossen. Alles weg, was fesselt und Freiheit behindert. Einer der Punkte ist dabei die Neuregelung des Ladenschlussgesetzes. Mit diesem Gesetz dürfen Läden statt bisher an 4 an 8 Sonntagen und an den meisten Samstagen bis 24 Uhr öffnen. Begründet wird die Neuregelung mit dem Wettbewerb zwischen Geschäften und Onlinehandel, der Belebung der Innenstädte und ähnlichem mehr. Aber NRW ist nicht das einzige Bundesland, das mit der Freigabe liebäugelt. Was wir nun bemerken, ist ein Schneeball, der zu rollen beginnt, mit der Möglichkeit am Heiligen Abend zu öffnen. Wieder setzen einige Politiker, Parteien vordergründig auf den "selbstbestimmten Sonntag". Damit einher gehen großzügige Liberalisierungsmaßnahmen, wie Aufweichen des Arbeitszeitschutzgesetzes, massive Ausdehnung der Wochenarbeitszeit, Abschaffung von Zuschlägen u. v. m. "Work ballance" als Rückkehr in vorindustrielle Zeiten, mit Menschen, die sich nur noch den betrieblichen Anforderungen, der allumfassenden Verfügbarkeit zu unterwerfen haben. Wen also befreien solche Gesetze?

Teile der Gesellschaft fordern, die Kirchen sollten sich in gesellschaftliche Diskussionen nicht einmischen. Aber ist ein freier Sonntag nicht auch abseits unseres Glaubens von großem Wert?

Görmiller: Meinen Glauben lebe ich in der Überzeugung, dass uns Jesus eine klare Handlungsanweisung gegeben hat: Bei Gott und den Menschen sein! Wenn wir das als ChristInnen, als Katholiken ernst nehmen, dann dürfen wir nicht schweigen, wenn etwas schiefläuft. Dann müssen wir den Finger auf die Wunde legen. Der Wert des Sonntags für eine Gesellschaft, vor allem für eine zunehmend säkulare Gesellschaft ist der Augenblick des Innehaltens, der Ruhe für uns alle, aber auch für den Einzelnen. Sich erholen zu können, selbstbestimmte Zeit zu haben. Das verbindende Element der gemeinsamen Zeit für Menschen, Familien, Freundeskreise ... Wenn eine Gesellschaft auch aus dem ehrenamtlichen Engagement lebt, dann muss sie dafür Zeit geben. Das Verfassungsgericht hat beim Schutz des Sonntags mit der Einschränkung auf "Daseinesvorsorge" den Rahmen gesetzt. Im Übrigen hat Infratest vor einer Weile Bürger befragt: demnach waren 25 Prozent der Bundesbürger für eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag. 73 Prozent waren dagegen. Wochenendarbeit hat negative Effekte auf die Gesundheit und auf die Leistung der ArbeitnehmerInnen. Menschen, die an Wochenenden arbeiten müssen, fühlen sich häufiger gehetzt und leiden häufiger unter gesundheitlichen Problemen wie Erschöpfungszuständen, psychischen Beschwerden oder Muskel-Skelett-Erkrankungen. Schicht- und Sonntagsarbeiter sagen, dass sie unzufriedener seien mit ihrem Leben, ihrer Gesundheit, ihrem Schlaf und ihrer Familie.

Was können Bürger tun, die die Allianz für den freien Sonntag unterstützen möchten?

Görmiller: Der Allianz beitreten! Sich kritisch vor Ort auseinandersetzen! Es geht aber auch darum, das eigenen Konsumverhalten zu überdenken. Jedem, der erwartet, am Sonntag konsumieren zu können, muss bewusst sein, dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass ihm gegenüber einer steht, der arbeitet und ihn bedient. Beim Bäcker sehen wir am Sonntag noch die Verkäuferin und ahnen den Bäcker. Es wächst aber besonders der Bereich der "verdeckten Arbeit" z. B. in Callcentern. Für mich als Christin hat dies mit Respekt und der Würde des Menschen zu tun, letzendlich das, was Jesus jedem freien Menschen zugesagt hat.

(Das Interview führte Wolfgang Krinninger vom Passauer Bistumsblatt)

 

Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.allianz-fuer-den-freien-sonntag.de

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